"Atlas Copco investiert in Hybridfügetechnik"

Der Industriekonzern Atlas Copco investiert über 7 Millionen Euro in den Standort von SCA in Bretten. Damit wird vor allem das Innovation-Center ausgebaut, das einen eigenen Schwerpunkt für Hybridfügetechnologien erhält. Dort sollen verschiedene Fügetechniken unter einem Dach gezeigt und entsprechende Versuche gefahren werden können. Angesichts des Trends zu neuen Leichtbauweisen, vor allem im Karosseriebau, sieht der Konzern einen steigenden Bedarf an kompetenter Beratung und umfassenden Prozessverständnis.

BRETTEN, April 2016. Atlas Copco investiert über 7 Millionen Euro in den Ausbau des Standortes von SCA in Bretten. Der Klebe- und Dosiertechnik-Spezialist ist seit der Übernahme durch den Konzern vor viereinhalb Jahren rapide gewachsen. „Die Nachfrage nach innovativen Lösungen zur Applikation von Kleb-, Dicht- und Dämmstoffen wird weltweit auch in den nächsten Jahren kräftig zulegen“, ist SCA-Geschäftsführer Olaf Leonhardt überzeugt. „Speziell der Trend zum Leichtbau in der Automobilindustrie treibt den Markt voran.“ Wo herkömmliches Schweißen bei bestimmten Materialien an seine Grenzen stoße, seien alternative Montage- und Fügetechniken gefragt, wie etwa das Kleben oder auch das Stanznieten. Bei Stanznietsystemen ist Atlas Copco durch die Akquisition von Henrob im Jahr 2014 nun auch Marktführer.

In Bretten sitzen die zentrale Fertigung und Verwaltung von SCA sowie eines von sieben Innovation-Centern weltweit. Hier führt das Unternehmen mit seinen Kunden jährlich weit über 200 individuelle Testreihen mit neuen Klebstoffen oder neuen Bauteilen durch. Anwender können auf diese Weise neue Ideen frühzeitig auf Machbarkeit überprüfen und mit SCA-Technik in konkrete Applikationen übersetzen. „Mit der Investition werden wir insbesondere unser Innovation-Center ausbauen“, sagte Leonhardt. „Dazu zählen mehrere automatisierte Hybridfüge-Stationen, so dass wir hier mittelfristig pro Jahr bis zu 500 Tests für unsere Kunden durchführen können.“ Auch die Fläche für Büro- und Schulungsräume werde stark ausgeweitet.

Kombination von Kleben und mechanischer Fügetechnik

Unter „Hybridfügen“ versteht man bei SCA und im Atlas-Copco-Konzern die Kombination „Klebetechnik plus eine mechanische oder thermische Fügetechnik“, erläuterte Andreas Kiefer, Vice President Business Development bei Atlas Copco, vor Journalisten in Bretten. Ende April fand am SCA-Standort zum zweiten Mal binnen eines halben Jahres eine Hausmesse zu diesem Thema statt. An sechs Robotikstationen wurden hybride Prozesse gezeigt, zum Beispiel das Stanznieten in Verbindung mit Kleben. „Wenn mehrere Lagen aus verschiedenen Materialien kalt gefügt werden sollen, bietet sich diese Füge-Kombination an“, sagte Ralf Pilgrim, Geschäftsführer des Stanznietspezialisten Henrob GmbH aus Herford. Als Werkstoffkombination dienten in dem gezeigten Fall Aluminium und Stahl. „Mit dem Hybridfügen können wir im Automobilbau zum Beispiel das Crashverhalten, die Korrosionsbeständigkeit und die Schälfestigkeit verbessern.“ Ein Stanzniet tue „dem Klebstoff nicht weh“, anders als etwa ein heißer Schweißpunkt, durch den der Klebstoff verbrenne. Es ergebe sich eine „schöne, flächige Verbindung“, und die Niete hielten den Scherkräften besser stand. Letztlich gehe es immer darum, das Gewicht einer Karosserie zu reduzieren und gleichzeitig ihre gewünschten Eigenschaften zu erhalten oder gar zu verbessern.

„An unseren neuen Hybridfügestationen werden wir solche Prozesse abbilden und Versuche zu allen Fügetechnologien anbieten können“, versprach Leonhardt. Die Einzeltechnologien würden sich gegenseitig stärken: „Durch zusätzliches Kleben kann man einen mechanischen Prozess verbessern, ebenso lässt sich durch Ergänzen einer mechanischen Technik der Klebeprozess optimieren.“

Umfassendes Prozessverständnis für die Kombination mehrerer Fügetechniken

„Keine Fügetechnik ist für alle Einsatzgebiete und Materialien geeignet“, betonte Andreas Kiefer. „Aber es ist umfassendes Prozessverständnis erforderlich, um für neue konstruktive Ideen der Multi-Material-Designer die geeignete Füge-Lösung zu entwickeln.“ Denn es seien zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen: etwa die Zugänglichkeit der Bauteile, das korrosive Verhalten oder die Ausdehnungskoeffizienten der Werkstoffe, die Prozesszeit sowie die Anzahl der zu fügenden Lagen. Sei etwa ein Bauteil nur von einer Seite zugänglich, scheide beispielsweise das Stanznieten aus, weil dabei das Fügewerkzeug von oben und unten an die Fügestelle gelangen müsse. Eine Alternative sei in dem Falle das Fließlochschrauben. Dieses Verfahren erlaube dynamisch sichere und lösbare Multi-Material-Verbindungen. SCA arbeitet bei dieser Technik mit der Klingel GmbH aus Geretsried zusammen. „Gemeinsam mit unseren Schwestergesellschaften sowie externen Partnern haben wir das Know-how, auch sehr komplexe Füge-Anforderungen zu beherrschen und die richtige Lösung anzubieten“, betonte Kiefer.

Im Atlas-Copco-Konzern sind die Fügetechniken Schrauben (Atlas Copco Tools), Stanznieten (Henrob) und Kleben (SCA) vereint. Über Partnerunternehmen wie Klingel (Fließlochschrauben) und Düring (Schweißtechnik) kommen weitere Kompetenzen ins Team. „Wir können die klassischen Fügetechniken so mit einem Klebeprozess kombinieren, dass die Vorteile beider Techniken genutzt und deren Nachteile ausgeschlossen werden“, betonte Leonhardt. „Unsere Kunden profitieren davon, dass bei Atlas Copco so viele Verbindungstechniken zusammenlaufen und wir Hand in Hand arbeiten können.“



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