"Im Austausch mit Kunden die beste Lösung entwickeln"

Der Klebetechnikspezialist SCA zeigt auf der Stuttgarter Fachmesse Ansätze für neue Lösungen, unter anderem einen um 50 % leichteren Handapplikator. Im Gespräch mit Kunden soll das Konzept verfeinert werden.

"Unsere Kunden wollen ihre Taktzeiten verkürzen, Prozesse besser absichern und die Qualität steigern", sagte Olaf Leonhardt, Geschäftsführer des Klebetechnik-Spezialisten SCA Schucker GmbH & Co. KG, anlässlich eines Pressegesprächs auf der Bondexpo in Stuttgart. Der Markt erwarte dabei eine ergonomische, idealerweise expertenfreie Bedienung der Systeme. "Das gilt für hochautomatisierte Lösungen genauso wie für vergleichsweise einfache manuelle Anwendungen", betonte Leonhardt. "Wir wollen die Produktivität unserer Kunden steigern, indem wir Produkte entwickeln und anbieten, mit denen sich das Personal schneller zurechtfindet." So ließen sich etwa die Wahrscheinlichkeit einer Fehlbedienung senken oder Fehlermöglichkeiten und Stillstandzeiten reduzieren.

SCA sei auch deshalb nun zum zweiten Male auf der Messe, um im Gespräch mit Besuchern herauszufinden, ob man mit seinen Entwicklungsideen auf dem richtigen Weg sei. "Unsere Strategie ist nicht, fertige Produkte auf den Markt zu werfen", unterstrich der SCA-Manager. "Vielmehr zeigen wir hier in einem abgetrennten Bereich absichtlich einen Zwischenstand unserer Überlegungen, um im Austausch mit unseren Kunden die bestmöglichen Produkte zu schaffen." Ziel sei es, für nahezu jede Dosieraufgabe die richtige Lösung im Programm zu haben.

Im Fokus der SCA-Entwicklungsabteilung stehe dieses Jahr das weite Feld der Handapplikatoren. "Der Markt gibt hier eigentlich keine wirklich guten Produkte her", sagte der Klebetechnik-Experte. "Auch bei uns lag der Schwerpunkt in der Vergangenheit mehr auf automatisierten Lösungen für die Automobilindustrie. Durch die neuen Vertriebsmöglichkeiten, die uns die Zugehörigkeit zum Atlas-Copco-Konzern seit 2011 bietet, gelangen aber auch andere Branchen und Anwendungen stärker in unser Blickfeld."

Ergonomie, Qualität und Effizienz bei manuellen Systemen steigern

So würden zum Beispiel bei Automobilzulieferern manuelle Anwendungen noch vorherrschen. "Unser Ziel ist es, die Ergonomie bei Handapplikationen deutlich zu verbessern und Qualität, Effizienz und Produktivität zu steigern", betonte Leonhardt. "Vor allem wollen wir die bisher verbreitete Nacharbeit unnötig machen und den Materialverbrauch senken." In umfangreichen Design- und Ergonomiestudien sowie Marktbefragungen habe SCA gute Ansätze für den Handapplikator der Zukunft gefunden. So sei einer der wichtigsten Ergonomie-Faktoren das Gewicht: "Derzeit zeichnet ab, dass unsere nächste Entwicklung ungefähr nur noch halb so viel wiegt wie der Vorgänger", erklärte der SCA-Geschäftsführer. Mithilfe der Diskussionen auf der Bondexpo soll der Prototyp nun noch weiter verbessert werden.

Manuelle Anwendungen sind in Deutschland trotz des scheinbaren Trends zur Automatisierung insgesamt mit 60 bis 70 % sogar noch in der Überzahl, sagte Olaf Leonhardt. "Auch wenn ein neuer Prozess aufgesetzt wird, starten die Kunden oft erst mit dem Hand-Auftrag, ehe sie später automatisieren." Der Automationsgrad steige mit den Stückzahlen und kürzer werdenden Taktzeiten; dem gegenüber stehe aber der Bedarf einer flexiblen Liniengestaltung. Mit neuen Handapplikatoren sowie modularen Kompaktzellen würden die Lücken zwischen "ganz einfach und manuell" sowie "sehr komplex und automatisch" von zwei Seiten geschlossen. (Zu den Kompaktzellen gibt es eine separate PI.)

Intelligente Bedienerführung

Um manuelle Anwendungen noch besser in den Griff zu bekommen, zeigt SCA auf der Bondexpo auch eine Konzeptstudie: An einem Lineararm aus dem Hause Atlas Copco wird ein Applikator befestigt, dessen Position von Sensoren überwacht wird. "Mit dieser intelligenten und ergonomischen Bedienerführung minimieren wir den Einfluss des Bedieners bei manuellem Klebstoffauftrag und steigern die Qualität der Applikation", hob Leonhardt hervor. Denn der Mitarbeiter kann das Material nur in den programmierten Bereichen auftragen." Bei Verlassen der vorgesehenen Führung werde die Zufuhr des Klebstoffs unterbrochen, um Fehler zu vermeiden. Neben der Position könne auch das Volumen und die Form der Kleberaupe überwacht werden.

Trend zum Hybridfügen

Als einen wesentlichen Trend in der automatisierten Applikation von Kleb- und Dichtstoffen im Automobilbau führte Olaf Leonhardt die weiter zunehmenden Multi-Material-Designs an. So mache der Trend zum Leichtbau und zur Kombination unterschiedlicher Materialien die Fügeverfahren komplexer. Dafür würden häufiger als bisher 2- und 3-Komponenten-Klebstoffe benötigt, andere Verfahren zur Vorbehandlung der Oberflächen und bessere Möglichkeiten zur Qualitätssicherung - etwa durch Vision-Systeme. "Diese Herausforderungen nehmen wir an, indem wir Lösungen für komplexere Prozesse entwickeln und die Bedienung unserer Systeme noch einfacher machen", versprach Leonhardt.

Manchen Anforderungen durch Konstruktionen aus mehreren Materialien könne man indes nur gerecht werden, indem man mechanische und chemische oder thermische Fügeverfahren kombiniere. "Die Kombination nennen wir hybrides Fügen", klärte Olaf Leonhardt auf. "Hybridfügetechniken werden zum Beispiel eingesetzt, wenn zwei Bauteile geklebt und genietet, verschweißt und verklebt oder verschraubt und geklebt werden." Dafür sei umfassendes prozesstechnisches Verständnis erforderlich. "Wir bringen dieses Know-how mit, auch weil wir in unserem Mutterkonzern Atlas Copco die verschiedensten Fügetechniken bündeln", betonte der Manager. Denn neben dem Kleben (durch SCA) und der Schraubtechnik (durch Atlas Copco Tools) gehöre seit 2014 auch das Stanznieten zum Konzern - in Form der britisch-amerikanischen Atlas-Copco-Tochter Henrob. "Wir stehen in intensivem Austausch und werden unmittelbar nach der Bondexpo in Bretten eine Hausmesse zum Thema Hybrid-Fügen ausrichten", kündigte Leonhardt an. "Dort werden wir unseren Besuchern die Vorteile der kombinierten Fügetechniken und deren Wechselwirkungen erklären."

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